Als Fürst von Nowgorod errang Alexander Jaroslawitsch „Newski“ im 13. Jahrhundert wichtige militärische Siege gegen Schweden und den Deutschen Orden. Diese Erfolge begründeten die Verehrung, die ihm bis heute in Russland zuteil wird. Von der Orthodoxen Kirche heiliggesprochen, tilgten die Bolschewiki zunächst die Erinnerung an ihn aus der Geschichte, bis er als nationale Identifikationsfigur unter Stalin in den 1930er Jahren wieder rehabilitiert wurde.
Alexander Jaroslawitsch „Newski“ (ca. 1221–1263) regierte als Fürst von Nowgorod und Großfürst von Wladimir-Susdal in der sogenannten Zeit der Teilungen (Udelnaja Rus). Der Glanz des Kiewer Reiches war im 13. Jahrhundert bereits verblasst, und Teilfürstentümer stritten um dessen Erbe. Zusätzlich sahen sich die Fürsten von außen bedroht – und das gleich von mehreren Seiten: Mongolen griffen aus dem Osten an, katholische Mächte aus dem Norden und Westen. Im Jahr 1240 jedoch bezwang Alexander Jaroslawitsch an der Spitze eines Nowgoroder Heeres auf dem Gebiet des heutigen St. Petersburg eine Streitmacht des schwedischen Königs – dem Sieg in dieser Schlacht an der Newa verdankt er seinen Beinamen „Newski“. Und sein militärischer Erfolg riss nicht ab: In der Schlacht auf dem Eis besiegte er 1242 ein Heer des Deutschen Ordens auf dem Peipus-See. Auch aufgrund seiner strategischen Geschicklichkeit stieg Alexander 1252 schließlich zum Großfürsten der Rus auf. Als solcher verfolgte er gegenüber den mongolischen Fremdherren eine moderate Ausgleichspolitik. Er starb 1263 auf der Rückreise vom Khan der Goldenen Horde in Gorodez an der Wolga.
Bereits kurz nach seinem Tod wurde Alexander Newski am Ort seines Grabes in Wladimir als (Lokal-)Heiliger verehrt – die ältesten erhaltenen Ikonen zeigen ihn im Gewand eines orthodoxen Mönches. Mitte des 16. Jahrhunderts, in der Regierungszeit Iwans IV. (des Schrecklichen), wurde Alexander Newski dann von der Russisch-Orthodoxen Kirche offiziell heiliggesprochen. Schließlich stieg er durch die Kirchenpolitik von Zar Peter I. (dem Großen) zu einem der wichtigsten russischen Nationalheiligen auf: Der Reformzar setzte den Heiligen als Schutzpatron der neuen Hauptstadt St. Petersburg ein, gründete dort zu seinen Ehren ein prächtiges Kloster (Alexander-Newski-Lawra) und ließ die Reliquien des Heiligen aus der Stadt Wladimir an die Newa überführen. Seit dieser Zeit durfte Alexander Newski auf Ikonen und in der Historienmalerei nur noch als Fürst (und nicht mehr als Mönch) dargestellt werden. Im 19. Jahrhundert spielte Alexander Newski nicht zuletzt als Namensheiliger von drei Zaren (Alexander I., II. und III.) eine herausragende Rolle, auch wurden ihm in dieser Zeit zahlreiche orthodoxe Kirchen innerhalb und außerhalb Russlands geweiht. Während des Ersten Weltkriegs avancierte Alexander Newski dann zu einer entschieden antideutschen nationalen Identifikationsfigur.

Eine der ältesten Ikonen
Alexander Newski nimmt auch im heutigen Russland einen prominenten Platz im kulturellen Gedächtnis ein. In der TV-Show Imja Rossija (deutsch: „Der Name Russlands“) wurde er 2008 von den Fernsehzuschauern zur wichtigsten Figur der russischen Geschichte gewählt. Seit der Rücküberführung seiner Reliquien im Jahr 1989 ist die Alexander-Newski-Lawra in Sankt Petersburg erneut das Zentrum seiner Heiligenverehrung.